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Das Burschenschaftsdenkmal in Eisenach

Das Burschenschaftsdenkmal
Das Burschenschaftsdenkmal

Auf der Göpelskuppe, einer Anhöhe bei Eisenach in Thüringen, wurde im Jahre 1902 das Burschenschaftsdenkmal zu Ehren des vaterländischen Einsatzes der studentischen Verbindungen feierlich von der Deutschen Burschenschaft eingeweiht. Im Jahre 2002 feiert die Deutsche Burschenschaft das 100-jährige Jubiläum dieses Burschenschaftsdenkmals, das täglich an 365 Tagen im Jahr von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet hat. Das Burschenschaftsdenkmal erhebt sich gegenüber der Wartburg, auf der sich am 18. Oktober 1817, dem vierten Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, über 500 Burschenschafter zum Wartburgfest versammelt hatten. Das Denkmal betritt man durch eine schwere Eisentür über der die Worte "Dem geeinten Vaterland" eingemeißelt sind. Innen über dem Eingang ist die Widmung des Denkmals verewigt: "Den deutschen Jünglingen und Männern, die nach den glorreichen Befreiungskriegen den Gedanken der nationalen Einigung faßten und ins Volk trugen, die in trüben Zeiten der Verdächtigung und der Verfolgung an ihm festhielten, ihn hegten und für ihn stritten, die in heißen Völkerkämpfen ihr teueres Blut für seine Verwirklichung vergossen und die ihn in großer Zeit durch Willenskraft, Feldherrnkunst und Staatsweisheit zu schöner That werden ließen, weiht dieses Denkmal in unauslöschlicher Dankbarkeit die Deutsche Burschenschaft."

Das Burschenschaftsdenkmal 2008
Das Burschenschaftsdenkmal 2008

Mit der Gründung des Kaiserreiches 1871 erfüllte sich auch der Traum der 1815 in Jena gegründeten und 1817 mit ihrem Treffen auf der Wartburg manifestierten Deutschen Burschenschaft von einem gesamtdeutschen Nationalstaat, auch wenn nur in der kleindeutschen Lösung. Nach Zusammenschluß der wesentlichen burschenschaftlichen Verbände im Jahre 1881 nahm der Plan, den im Krieg von 1870/1871 gefallenen Burschenschaftern ein Denkmal zu setzen, Gestalt an. Doch schon bald war man sich einig, weit mehr als ein übliches Kriegerdenkmal zu erbauen. Es sollte allen gewidmet sein, die an der deutschen Einheit mitgewirkt hatten. Dafür gründete sich nach einigen Anläufen in Eisenach der Burschenschaftsdenkmalverein.

Der endgültig zur Ausführung gelangte Entwurf stammte vom damals noch jungen, aber bereits durch gewonnene Wettbewerbe bekannten Architekten Wilhelm Kreis. Der Grundgedanke des ca. 33 Meter hohen Denkmals ist das enge Zusammenstehen der im Reiche vereinten deutschen Stämme, daher die kraftvollen Säulen, die durch einen hohen Tambour zusammengehalten und durch eine Krone überhöht werden. Der Architrav trägt den Wahlspruch der Burschenschaften: "FREIHEIT - EHRE - VATERLAND".

Als Baumaterial wurde Muschelkalk aus Dreißigacker bei Meiningen verwendet. Schon in der Phase der Planung holte sich der Architekt bekannte Künstler zur Ausgestaltung hinzu, wie z. B. Otto Gussmann, Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Dresden, der auch zum Künstlerkreis der "Brücke" gehörte. Von Otto Gussmann stammen die Jugendstil-Ornamente der 1992 nach alten Vorlagen rekonstruierten Fenster und das Deckengemälde, welches den siegreichen Kampf der Asen mit den Mächten der Finsternis darstellt und damit symbolisch das Thema des Denkmals, die erfolgreich erkämpfte staatliche Einheit Deutschlands, aufgreift.

Das Burschenschaftsdenkmal als Postkarte
Das Burschenschaftsdenkmal als Postkarte

Der Innenraum wurde als feierliche Gedächtnishalle gestaltet: Statuen stellten den Großherzog Carl August von Weimar und die Erneuerer des Reiches dar; auf Tafeln waren die Namen gefallener Burschenschafter der Einigungskriege sowie die Namen bedeutender Urburschenschafter und ihrer Wegbereiter eingraviert. Hier wurde vorurteilslos aller gedacht, die auf unterschiedlichen Wegen dem gleichen Ziel entgegenstrebten.

Begonnen wurde der Bau im Sommer des Jahres 1900. Die feierliche Einweihung mit einem Festzug vom Eisenacher Marktplatz fand am 22. Mai 1902 statt. Den Zweiten Weltkrieg hat das Denkmal ohne größeren Schaden überstanden. Der SED-Regierung allerdings war es immer "ein Dorn im Auge", war es doch ein stilles Mahnmal für die deutsche Einheit geblieben. So gab es verschiedene Pläne zur Umgestaltung bis hin zum Gedanken der Sprengung. Die Glasfenster waren inzwischen mutwillig zerstört, die Statuen aus dem Inneren bewußt zerschlagen und abtransportiert.

Immer aber gab es auch Stimmen, die auf die historische Bedeutung des Denkmals verwiesen. So blieb es schließlich sich selbst überlassen und damit dem baulichen Verfall. Der Zustand wäre noch katastrophaler gewesen, hätte sich nicht seit 1986 eine private Interessengemeinschaft für Denkmalpflege unter dem Eisenacher Bauingenieur Lehmann um die schlimmsten Schäden gekümmert.

Das Burschenschaftsdenkmal vom Berghotel
Das Burschenschaftsdenkmal vom Berghotel

Da das Denkmal mit dem dazugehörigen Burschenhaus, dem heutigen Berghotel Eisenach, erst im Jahre 1953 enteignet worden war, gelang es im Jahre 1990 in schwierigen Verhandlungen das gesamte Areal des Denkmals sowie des Restaurants Berghof, des früheren "Burschenhauses", für die Deutsche Burschenschaft sicherzustellen.

Ab 1991 wurde an der Restaurierung der einsturz gefährdeten Bauruine gearbeitet. Die Mittel hierfür tragen die Freunde und Förderer des Burschenschaftsdenkmals unterstützt durch großzügige Spenden von Burschenschaften. Auch das Land Thüringen hat sich nach der Wende großzügig beteiligt, galt es doch ein Denkmal von nationaler Bedeutung zu erhalten. Zunächst wurde die Bausubstanz wieder hergestellt, um danach in einem langwierigen Prozess die Feuchtigkeitseinbrüche im Denkmal zu beherrschen. Im Jahr 2006 konnte das zerstörte und verlorene Deckengemälde an der neuen Innenkuppel rekonstruiert werden. Nachdem der "Kampf der Asen" vom thüringischen Künstler Gert Weber wieder neu geschaffen wurde, fanden am 24. März 2007 mit einer symbolischen Neueinweihung die 16 Jahre dauernden Restaurierungsarbeiten, die über 1,8 Millionen Euro verschlungen haben, ihren vorläufigen Abschluss. Das Denk- und Mahnmal für die burschenschaftliche Einheits- und Freiheitsbewegung im 19. Jahrhundert kündet wieder in harmonischem Gleichklang von Architektur und bildender Kunst vom Zeitgeist der damaligen akademischen Jugend. Viele Schultern sind notwendig, um es auch künftigen Generationen - vor allem den jungen Burschenschaftern - als Zeuge der urburschenschaftlichen Bewegung im alten Glanz zu erhalten.