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Das Ehrenmal am Burschenschaftsdenkmal in Eisenach

"Den Toten zur Ehre - Den Lebenden zur Mahnung" - Bereits Anfang der Zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts kam bei der Deutschen Burschenschaft der Wunsch zur Errichtung einer Gedenkstätte für die ca. 3.000 gefallenen Burschenschafter des Ersten Weltkrieges auf. Die ersten Entwürfe vom Erbauer des Burschenschaftsdenkmals, Professor Kreis, und anderen werden erstmals auf dem Altherrentag 1926 öffentlich diskutiert, ohne jedoch eine Entscheidung zu fällen. Es wurde lediglich die Einrichtung eines Ausschusses zur Behandlung dieses Themenkomplexes beschlossen.

Erster, nicht ausgeführter Reliefentwurf Dauner (waagerechtes Schwert)
Erster Entwurf Friedrich Hausser

 

 

Nachdem sich innerhalb der Deutschen Burschenschaft Widerstand gegen Professor Kreis infolge eines Bauvorhabens in Düsseldorf regte, wurde sein Entwurf zurückgestellt. Auf dem Altherrentag im Jahr 1927 wurde dann der erste Beschluß zur Errichtung gefaßt, in dem die Baukosten auf höchsten 60.000 bis 70.000 RM beschränkt wurden.

Ehrenmal-Entwurf von Wilhelm Wagner (Gruft- oder Weiheraum)

Mit dem "Aufruf an die Deutsche Burschenschaft zur Sammlung freiwilliger Spenden für ein Ehrenmal" unter der obigen Überschrift sollte von einer extra ins Leben gerufenen Werbegruppe der Burschentagsbeschluß von 1927 umgesetzt werden, "mit dem Ziel, die fehlenden Mittel durch freiwillige Beiträge zu sammeln und sie der Deutschen Burschenschaft zur Verfügung zu stellen". In dieser Schrift wurde bereits der Entwurf von Baurat Wagner (Arminia München, Alemannia Braunschweig) vorgestellt. Auf dem Altherrentag und Burschentag 1928 stellte Wagner in einem Lichtbildervortrag seine Entwürfe vor. Wagner wollte durch "vorgelegte Terrassen dem Denkmal die fehlende breite Grundlage, die feste Verbindung mit dem Berg", geben und so durch die Verbindung von Ehrenmal und Denkmal dem Mangel der "Unausgeglichenheit" abhelfen. Die vorgelagerte Steinterrasse sollte einen "Gruft- und Weiheraum" überdecken, der sich talseitig in einer 10 m hohen Säulenwand öffnet. Durch die Terrasse sollte zusätzlicher Raum für die Feierlichkeiten der Deutschen Burschenschaft am Burschenschaftsdenkmal geschaffen werden.

Zweiter, nicht ausgeführter Reliefentwurf

Da der Burschentag die finanzielle Situation der Deutschen Burschenschaft zu beachten hatte und der Beschluß aus dem Jahre 1927 weiterhin galt, schied der Entwurf Wagners aufgrund der voraussichtlich deutlich überhöhten Kosten aus. Als Folge wurde vom Burschentag der Hauptausschuß beauftragt, "an die Fachleute und Kreise der Deutschen Burschenschaft die Aufforderung zur Einreichung eines unverbindlichen Entwurfes zu einem Gefallenen-Ehrenmal in Eisenach mit der Kostenhöchstgrenze von RM 60.000 bis RM 70.000 ergehen zu lassen". Der Altherrentag 1928 war sogar abweichend von seinem vorjährigen Beschluß und dem des Burschentages der Meinung, daß für ein "schlichtes Ehrenmal" die Höchstgrenze der Kosten noch niedriger anzusetzen sei und legte daher die Höchstgrenze auf 30.000 RM fest. Die Ausschreibung des Hauptausschusses der Deutschen Burschenschaft geht in den Burschenschaftlichen Blättern weiterhin von einer Summe von 60.000 RM aus. Die Redaktion der Burschenschaftlichen Blätter merkt in der gleichen Ausgabe dazu an, daß trotz der finanziellen Unterschiede der Beschlüsse die entscheidende Einigkeit zur Errichtung des Ehrenmales ausschlaggebend sei und dieser gemeinsame Wille zu einem guten Ergebnis führen müsse.

Erst im Jahre 1930 lagen dann eine ausreichende Anzahl (43) von Entwürfen vor, von denen acht in die engere Wahl kamen. Das Preisgericht entschied sich einstimmig für die Zuweisung der drei Ehrenpreise an den Architekt BDA Friedrich Haußer (Hilaritas Stuttgart) in Gemeinschaft mit dem Bildhauer Erwin Dauner, beide Ludwigsburg, Prof. Hermann Hosaeus, Berlin, und Kirchenbaurat Kurt Rade, Eisenach, in Gemeinschaft mit dem Bildhauer Paul Birr, Berlin. Der Entwurf Haußer/Dauner wurde dem Burschentag 1930 von Seiten des Preisgerichtes für die Ausführung vorgeschlagen, die diesem Vorschlag zustimmten. Da sich infolge der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage nicht ausreichend freiwillige Spenden aufbringen ließen, zog sich die Verwirklichung des Projektes weiter hin. Der nächste Altherrentag im Jahre 1931 faßte den Beschluß, den Altherrenverbänden eine "Beteiligung durch Geldbewilligung" zu empfehlen, mit dem Ziel, das Ehrenmal zum Burschentag 1932 einweihen zu können.

Zum Jahreswechsel 1931/32 hatte die Werbestelle bereits die Hälfte der notwendigen 60.000 RM zusammengetragen. Gleichzeitig wurde die Vertagung der Einweihung des Ehrenmals auf das Jahr 1933 ins Auge gefaßt, bevor "ein minderwertiges Werk" geschaffen würde. Im Herbst 1932 wurde nach langem Ringen der endgültige Bauentschluß gefaßt und begünstigt durch den milden und relativ trockenen Winter wurde die rechtzeitige Fertigstellung zum Burschentag 1933 möglich. Entsprechend den Plänen des Architekten Friedrich Haußer wurden in der Ludwigsburger Werkstatt des Bildhauers Erwin Dauner, unter Beteiligung des Schwagers von Friedrich Haußer, Erwin Scheerer, aus Maulbronner Travertin die Steine des Ehrenmales behauen. Komplett durchnumeriert wurden die einzelnen Steine anschließend mit der Bahn nach Eisenach transportiert und dort unter der Leitung von Friedrich Haußers jüngerem Bruder, dem Architekten Karl-Paul Haußer (Hilaritas Stuttgart), zum heute noch vorhandenen Ehrenmal zusammengefügt.

Das Ehrenmal bestand aus einem unterhalb des Burschenschaftsdenkmals angeordneten offenen Raum auf dessen Talseite der eigentliche Gedenkstein angeordnet war. Dieser Steinblock trug auf seiner vorderen rechteckigen Längsseite ein in Abstufungen aus dem Stein hervortretendes Hochbild. In der Mitte schwebte eine nackte Jünglingsgestalt aus der Tiefe zum Himmel empor, die schwertbewehrte Rechte ebenso wie die mahnend entgegengereckte Linke hoch erhoben. Zu beiden Seiten von dieser aufwärts strebenden Gestalt wuchsen aus der Tiefe Schwertarme empor. Auf der gegenüberliegenden Wand war der Schriftzug "Ihren gefallenen Bundesbrüdern - Die Deutsche Burschenschaft" und das Wappen der Deutschen Burschenschaft, flankiert von den Jahreszahlen 1914 und 1918, in den Stein gehauen.

Am Vorabend der eigentlichen Einweihung wurde in einer schlichten Feierstunde "unter den milden Strahlen des Mondes und dem Schein der Fackeln" der Schlußstein unter den Worten des Erbauers Friedrich Haußer gesetzt:

"Es ist soweit!
Bald hat der Mörtel den letzten Stein gebunden
An Eurem Ehrenmal, dem heiligen Werk,
Dann habt Ihr Toten eine Wal gefunden,
Auf Eurem alten, stolzen Burschenberg!"

Am Pfingstsonntag 1933 (4. Juni 1933) fand die Ehrenmalsweihe statt. In Anwesenheit von zahlreichen Ehrengästen, so. z. B. dem Chef der Heeresleitung, General von Hammerstein-Equord, dem thüringischen Justizminister Dr. Weber als Vertreter der Thüringischen Staatsregierung, dem Landrat Gläser, dem Rektor der Universität Jena, Magnifizenz Prof. Dr. Esau, und dem Oberbürgermeister von Eisenach, Dr. Janson, begann die Feierstunde am Fuße des Burschenschaftsdenkmales. Im und um das neue Ehrenmal hatten neben vielen Burschenschaftern die Chargierten fast aller Burschenschaften der Deutschen Burschenschaft sowie eine Ehrenkompanie des Eisenacher Reichswehrbataillons Aufstellung genommen.

Nach der Eröffnung durch ein Fanfarenstück begrüßte der Sprecher der Vorsitzenden Burschenschaft Frankonia Münster die Anwesenden und verlas die Grußadresse des Reichspräsidenten. Auf einen kurzen Vortrag aus Fichtes "Rede an die deutsche Nation" folgte die Fest- und Weiherede durch den Vorsitzenden des Bundes der deutschen Kriegsgräberfürsorge, Emo Eulen (Teutonia Freiburg), während der das Ehrenmal enthüllt wurde. Anschließend weihte der Schöpfer und Baumeister des Ehrenmales, Friedrich Haußer, das Denkmal mit folgendem Spruch:

"Du Stein, sei Zeug' in alle Zeit!
Halt Dich des Opfers wert der Brüder,
Die für uns geweiht, schlummern in fremder Erd'.
In schwerer Zeit wardst Du erdacht,
Dein Bild geformt, nun steh!
Laß quell'n aus tiefer Todesnacht
Die Mahnung still zur Höh!
Hüte, o Volk, Du Burschenschaft,
Wie sie treulich die Ehr,
Das Herze frei, im Arm die Kraft,
Daß Deutschland sich bewähr!"

Begleitet von Ansprachen der Ehrengäste wurden im Anschluß am Denkmal mehrere Kränze niedergelegt und eine Abordnung der burschenschaftlichen Fliegerstaffel, bestehend aus den Burschenschaftern Kappus (Alemannia Stuttgart), Huppenbauer (Hilaritas Stuttgart) und Fritzlen (Hilaritas Stuttgart), zog über dem Denkmal einige Ehrenrunden. Mit dem Abmarsch der Ehrenkompanie und dem Abzug der Chargierten war die Einweihung beendet. Die gesamten Feierlichkeiten waren vom Mitteldeutschen Rundfunk direkt übertragen worden.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war es dann still um das Burschenschaftsdenkmal und das Ehrenmal geworden. Ohne größere Schäden überstanden beide Bauwerke diese Zeit. Das Ehrenmal fiel allerdings bald dem Befehl Nr. 30 des Alliierten Kontrollrates zum Opfer, der vorschrieb, daß alle den Militarismus verherrlichenden Denkmäler zu beseitigen seien. Am 22. November 1946 meldete die Polizeidirektion Eisenach der Stadtkommandatur den Vollzug dieses Befehles. So wurden das Schwert des aufwärtsstrebenden Jünglings, die neben ihm emporzeigenden Schwerter sowie der gegenüberliegende Schriftzug abgeschlagen und nahezu unkenntlich gemacht. Später wurde auch noch dir Jünglingsgestalt entfernt. Lediglich der Namenszug des Erbauers Haußer mit dem darüber angeordneten Zirkel seiner Burschenschaft Hilaritas im nördlichen Eck überdauerten unbeschadet alle Zeit.

In dieser geschändeten Form überlebte das Ehrenmal bis Pfingsten 1992, als es zum Burschentag nach Abschluß der Renovierungsarbeiten wieder der Öffentlichkeit übergeben wurde. Man hatte in einer ersten Etappe neben der weitaus umfangreicheren Restaurierung des Burschenschaftsdenkmals den Schriftzug auf der dem Gedenkstein gegenüberliegenden Seite wieder hergestellt und diesen sinnvollerweise um die Jahreszahlen 1939 und 1945 ergänzt.

Zum Abschluß noch einige Gedanken des Erbauers Friedrich Haußer aus dem Jahre 1938, für den das Burschenschaftsdenkmal und das Ehrenmal auch nach der Einweihung 1933 noch nicht vollendet waren:

"Wo einst Urburschen ringen
um Freiheit, deutsche Not
durch Kämpfen, durch Bezwingen
im Glauben bis an den Tod

Da steht als wie vor Zeiten
zur Einigung der Turm,
in Kaiserreiches Schreiten
trutzt er gar manchem Sturm.

Auch als die Hand des Friedens
das Schwert zum Schutz sich nahm,
in Zeiten des Erliegens
da mancher nicht mehr kam.

Zu Füßen nun Ihr Male
aus Tiefen weckt's zu Höhn
grüßet die Helden alle
in seinem Steingetön,

Ihr Mahnen weck' kein Leide
nein, opfern nur gewinnt,
daß stark wir, treu dem Eide
wie sie, man uns einst find!

Zum Turm es so aufraget
zur Wartburg hin zugleich,
laß quellen, daß es taget
für Deutsches Volk und Reich!"

Quelle:
Stephan Heimerl, Burschenschaft Hilaritas Stuttgart,
"Den Toten zur Ehre - Den Lebenden zur Mahnung", in B.Bl. 2/1993