Das Gefallenen- oder Langemarck-Ehrenmal der Deutschen Burschenschaft
Zahlreiche Studenten kämpften im Ersten Weltkrieg, viele ließen ihr Leben. Seit 1919 gedachten die deutsche Studentenschaft wie die Deutsche Burschenschaft in jedem November ihrer Gefallenen, für die das Wort "Langemarck" steht. Der Mythos von Langemarck beruht vor allem auf dem Heeresbericht vom 10./11. November 1914: "Während der Feind unmittelbar an der Küste gegen Lombartzijde etwas Gelände gewinnt und den Ort besetzt, muß er mittags auf der Linie von Dixmuijden dem deutschen Druck weichen. Die Unsrigen stürmen die in einen Trümmerhaufen verwandelte Stadt. ... Weiter westlich dringen sie auf das westliche Ufer des Yser-Kanals vor. Westlich von Langhemarq stürmen unsere jungen Regimenter gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen unter dem Gesange: "Deutschland, Deutschland über alles' und nehmen sie ..."

- Ehrenmalweihe am 4. Juni 1933
Das Vorwärtsstürmen der national begeisterten Studenten ohne Rücksicht auf die eigenen Verluste machte sie zu Heroen ihrer Zeit, obwohl es auch kritische Stimmen wie die des Burschenschafters Prof. Dr. Dr. Otto Tornau gab. Er sprach von jenen Regimentern junger Studenten "unter der Führung von Reserveoffizieren, die bisher keine Verwendung gefunden hatten und denen jede Erfahrung in der Truppenführung fehlte, ... unter dem Kommando eines Generals, der im Infanterieangriff das entscheidende Mittel der Kriegsführung sah. Bis auf wenige liegen sie alle in Flanderns Erde." Tornau schließt: "Aber mit dem Wort "Langemarck" haben sie der Nachwelt eine Mahnung hinterlassen, von der man nur hoffen kann, daß sie nie verblaßt."
"Langemarck" stand seither ebenso für patriotische Pflichterfüllung der Studenten sowie für die Sinnlosigkeit des Krieges. Ungeachtet der Kontroverse, die bald um den genauen Ablauf der Ereignisse von Langemarck entbrannte, führten die Heroisierung des Kriegstodes und das Bedürfnis, die Toten zu betrauern und zu ehren, unmittelbar nach dem Krieg zur Errichtung von Denkmälern, sowohl der Universitäten und Hochschulen wie der Korporationen und ihrer Verbände. In diesem Kontext entstand 1925/26 der Gedanke, für die etwa 3.500 gefallenen Burschenschafter des Ersten Weltkriegs ein "Gefallenen- oder Langemarck-Ehrenmal" zu errichten. Der Name lautete stets nur "Gefallenen-Ehrenmal", die inoffizielle Erweiterung um Langemarck erfolgte erst 1934, wobei der Urheber nicht ganz sicher ist.

- Verlesung der Grußbotschaft Hindenburgs
Der Architekt des 1899 bis 1902 errichteten Burschenschafts-Denkmals, Wilhelm Kreis (Sängerschaft Brunsviga Braunschweig), legte dem Burschentag 1926 einen ersten Entwurf für ein Ehrenmal vor. Eine Entscheidung wurde jedoch nicht gefällt, sondern ein Ausschuß zur weiteren Behandlung der Frage eingesetzt. Er kam zu keinem Ergebnis und der Burschentag 1927 legte nur fest, die Baukosten dürften die Summe von sechzig- bis siebzigtausend Reichsmark nicht überschreiten.
Zugleich erschien unter der Überschrift "Den Toten zur Ehre - Den Lebenden zur Mahnung!" ein "Aufruf an die Deutsche Burschenschaft zur Sammlung freiwilliger Spenden für ein Ehrenmal". Mit dem Aufruf wurde ein Entwurf des Direktors der Berliner Kunstgewerbeschule, Baurat Wilhelm Wagner (Burschenschaften Arminia München und Alemannia Braunschweig), veröffentlicht, den dieser auf dem Burschentag 1928 präzisierte: Die dem Burschenschafts-Denkmal vorgelagerte Steinterrasse sollte mit einem Gruft- und Weiheraum überdeckt werden. Die Kosten überschritten die genehmigte Bausumme beträchtlich, so daß von der Ausführung dieses Entwurfs abgesehen wurde. Einzelne Alte Herren und Burschenschaften waren sogar der Meinung, dreißigtausend Reichsmark sollten für ein Ehrenmal genügen, eine Ansicht, die sich letztlich durchsetzte.

- General von Hammerstein und der Rektor der Universität Jena
Einem neuen Ausschuß unter dem Vorsitz von Reichsminister Hermann Dietrich (Burschenschaft Arminia Straßburg-Tübingen) lagen bis 1930 43 Entwürfe zur Auswahl vor. Den ersten Preis errang der Architekt Friedrich Hausser (Burschenschaft Hilaritas Stuttgart) in Gemeinschaft mit dem Bildhauer Erwin Dauner, beide Ludwigsburg. Noch 1930 sollte Baubeginn sein, ein Termin, der sich angesichts der Weltwirtschaftskrise als illusorisch erwies. Erst nach Aufbringung der erforderlichen Geldmittel im Jahr 1932 war auch die Umsetzung der Pläne möglich. Der Burschentag dieses Jahres faßte als Einweihungstermin Pfingsten 1933 ins Auge.
Die Kostenfrage war es auch, die die preisgünstigste Variante der Errichtung bedingte: Seit Herbst 1932 fertigten Friedrich Hausser und Dauner mit Hilfe von Haussers Schwager Erwin Scheerer in ihrem Ludwigsburger Atelier das Denkmal an. Die Steine wurden behauen und durchnumeriert, anschließend per Bahn nach Eisenach gebracht und hier von Haussers Bruder Karlpaul, gleichfalls Architekt und Alter Herr der Burschenschaft Hilaritas Stuttgart, zusammengefügt. Den Ziegelkern des Ehrenmals führte die Eisenacher Baufirma Wagner aus.
Das Ehrenmal besteht aus einem unterhalb des Burschenschafts-Denkmals angeordneten offenen Raum, auf dessen Talseite der eigentliche Gedenkstein angeordnet ist. Dieser Steinblock trug auf seiner vorderen rechteckigen Längsseite ein in Abstufungen aus dem Stein hervortretendes Hochbild. In der Mitte schwebte eine nackte Jünglingsgestalt aus der Tiefe zum Himmel empor, die schwertbewehrte Rechte ebenso wie die mahnend entgegengestreckte Linke hoch erhoben. Zu beiden Seiten der Gestalt wuchsen aus der Tiefe Schwertarme empor. Auf der gegenüberliegenden Wand wurde der Schriftzug "Ihren gefallenen Bundesbrüdern - Die Deutsche Burschenschaft" und das Wappen der Burschenschaft, flankiert von den Jahreszahlen 1914 und 1918, in den Stein gehauen.

- Enthüllung des Ehrenmals
Am Pfingstsonntag, den 4. Juni 1933, fand die vom Mitteldeutschen Rundfunk übertragene Weihe des Ehrenmals statt. In Anwesenheit der Ehrengäste - der Chef der Heeresleitung General von Hammerstein als Vertreter des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, der Thüringische Justizminister, der Rektor der Universität Jena Abraham Esau und der Eisenacher Oberbürgermeister Janson - und von etwa 1.500 Burschenschaftern mit rund 100 Fahnen hielt nach einleitenden Worten des Sprechers der damals vorsitzenden Burschenschaft Franconia Münster und der Verlesung der Grußadresse des Reichspräsidenten der Gründer und Vorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Dr. Siegfried Emmo Eulen (Burschenschaft Teutonia Freiburg), die Weiherede. Während seiner Rede zog eine Staffel der Akademischen Fliegerabteilung Deutscher Burschenschafter über dem Denkmal drei Ehrenrunden. Die Einweihung schloß mit einer feierlichen Kranzniederlegung.
Die Totengedenken der Burschentage 1934 und 1935 fanden noch am Ehrenmal statt, doch nach Auflösung der Deutschen Burschenschaft im Oktober 1935 wurde es still um das Denkmalensemble auf der Göpelskuppe. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Ehrenmal unbeschadet. Es fiel allerdings danach der Schändung zum Opfer: Am 22. November 1946 meldete die Polizeidirektion Eisenach gemäß Befehl Nr. 30 des Alliierten Kontrollrats über die "Beseitigung aller den Militarismus verherrlichenden Denkmäler" das weitgehende Abschlagen des Reliefs. Der Jüngling blieb zunächst noch erhalten, später wurde jedoch auch er entfernt. Das galt ebenso für Schriftzug und Wappen, die 1991/92 wiederhergestellt und um die Jahreszahlen 1939 und 1945 erweitert wurden.

- Die "Enthüller" hinter dem Ehrenmal
Da die Restaurierung des Burschenschafts-Denkmals Vorrang genießt, wurden bisher am Ehrenmal nur notwendigste Arbeiten wie die Richtung der Bodenplatten usw. durchgeführt. Der Gedenkstein steht daher immer noch in seiner geschändeten Form vor dem Betrachter. Selbst die Umrisse des Reliefs sind nicht mehr zu erkennen. Seit 1992 findet am Ehrenmal an jedem Burschentag wieder das Totengedenken statt. Eine der vornehmsten Aufgaben der Deutschen Burschenschaft wird es aber in den nächsten Jahren sein, für die Erhaltung bzw. Wiederherstellung ihres Ehrenmals Sorge zu tragen.
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Quellen und Literatur (Auswahl):
Bundesarchiv Koblenz, Bestd. DB 9 (Deutsche Burschenschaft): B. IV. 11. Denkmalausschuß, 1890-ca. 1950. - Maren Lindemann: Das Burschenschafts-Denkmal von Wilhelm Kreis in Eisenach, Magisterarbeit Göttingen 1995. - [Albert] Blumenfeldt: Nach dem Linzer nun auch das Eisenacher Mahnmal!, in: Burschenschaftliche Blätter (künftig zit.: BBl) 47/1 (1932), S. 14. - Karlpaul Haußer: Glück auf! zum Bau des Ehrenmals, in: BBl 47/1 (1932), S. 15. - Rudolf Ludwig: Das Gefallenen-Ehrenmal der Burschenschaft, in: BBl 44/12 (1930), S. 294-297. - Hans Leonhardt: Für das Gefallenen-Ehrenmal, in: BBl 46/8 (1932), S. 180. - Grieshammer: Zum Gefallenen-Ehrenmal, in: BBl 46/11 (1932), S. 258. - Die Einweihung des Ehrenmals, in: BBl 47/10 (1933), S. 234-238. - Stephan Heimerl: "Den Toten zur Ehre - Den Lebenden zur Mahnung". 60 Jahre Gefallenen-Ehrenmal der Deutschen Burschenschaft am Burschenschaftsdenkmal in Eisenach, in: BBl 108/2 (1993), S. 101-104. - Der Bericht eines Zeitzeugen: Alfred Thullen: Die Einweihung des Gefallenenehrenmals der Deutschen Burschenschaft auf der Göpelskuppe in Eisenach am 3./4. Juni 1933, in: BBl 116/2 (2001), S. 57-59.
